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Integrationspolitik – Warum soll Österreich seine Werte aufgeben?

Gastkommentar der kurdischstämmigen St. Pöltener Journalistin Yurdagül Sener zur Integrationspolitik

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Österreich, Integrationspolitik – Gastkommentar von Yurdagül Sener: „Nachdem Flüchtlinge im Jahr 2015 Europa förmlich gestürmt haben, waren in Österreich ein wunderbarer Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft vorhanden. Das war sehr positiv und berührend – und am Beginn dieser großen Flüchtlingswelle auch notwendig. Doch jetzt scheinen diverse Institutionen, Organisationen und Privatpersonen das Ganze förmlich zu übertreiben.“

Yurdagül Sener
Yurdagül Sener

Zur Autorin: Yurdagül Sener lebt in Amstetten und arbeitet im Zentralraum als Lebens- und Sozialberaterin. Auf P3TV moderiert Sener die Sendung „Zweite Heimat“, welche mit dem „Journalismuspreis Integration“ ausgezeichnet wurde.

Yurdagül Sener: „Ich musste mich jeden Tag behaupten.“

Ich bin selbst im Alter von zwölf Jahren aus Anatolien nach Österreich gekommen, aber diese übertriebene Hilfe habe ich damals „zum Glück“ nicht erfahren. So musste ich mich jeden Tag behaupten und habe sehr schnell die wichtigsten Dinge im alltäglichen Leben erlernt, die für eine Zusammenarbeit in Österreich wichtig sind. In letzter Zeit ist mir aber aufgefallen, dass bei der Hilfe für Flüchtlinge und Asylwerber übertrieben wird. Wie soll sich eine Familie, die in Österreich das Bleiberecht bekommen hat, integrieren, wenn bei jeder Tätigkeit Österreicher zur Stelle sind und sie begleiten? Man sollte diese Menschen bei gewissen Dingen alleine lassen. Etwa beim Einkaufen, zum Arzt gehen oder selbst die einfachsten Behördenwege erledigen lassen. Sie müssen lernen, selbst für die eigenen Kinder zu sorgen.

Sie haben Österreich als Land gewählt

Dann werden sie Österreich nämlich auch schätzen und respektieren und das System verstehen – oder es wird ihnen klar, das Österreich NICHT das richtige Land ist in dem sie leben wollen. Sie haben ja Österreich als Land gewählt und nicht Österreich ist zu ihnen gekommen. Sie könnten ja auch in einem anderen Land ein neues Leben beginnen. Es gibt viele Beispiele von Migranten, die nach Österreich geflüchtet sind und ohne eine großartige Unterstützung sehr viel geschafft haben und heute erfolgreich sind. Warum sollte heute nicht mehr funktionieren, was vor 20 Jahren funktioniert hat?

Warum müssen sich die Österreicher anpassen und die eigenen Werte aufgeben?

Es mag sicher höflich sein, wenn man Muslimen keinen Alkohol oder Schweinefleisch zum Essen anbietet. Doch ein religiöses Symbol wie das Kreuz in Schulen, Kindergärten oder öffentlichen Gebäuden abnehmen – weil hier nun Muslime sind – geht sichtlich zu weit. Das Gleiche gilt auch beim Brauchtum und sonstigen Gepflogenheiten, die Österreich ausmachen. Warum müssen sich die Österreicher anpassen und die eigenen Werte aufgeben? Das kann nicht Integration sein, nur dass sich Zuwanderer wohlfühlen.

Kindern zusätzlich einen Förderunterricht in Deutsch anbieten

Migranten und Österreicher sollten gleich behandelt werden – wie im Steuersystem. Warum Ausnahmen machen im Gesundheits- oder Sozialbereich? Warum an den Schulen mehrsprachige Unterstützung anbieten, anstelle den Kindern zusätzlich einen Förderunterricht in Deutsch anbieten? Dadurch entsteht rasch der Kontakt in der Klasse und diese Kinder sind die ersten, die auch österreichische Werte aus der Schule erfahren. Der Einstieg in einen Verein wird einfacher, bürokratische Wege zu erledigen verständlicher. Durch Mehrsprachigkeit in der Schule werden sich Kinder wesentlich schwerer integrieren – weil man ihnen dabei schon wieder eine Arbeit abnimmt – nämlich etwas zu lernen.

Aus unterschiedlichen Kulturkreisen

Mich macht es immer auch sehr wütend, wenn Muslime die Österreicher als „Ungläubige“ bezeichnen. Fast jeden Tag höre ich das aus den unterschiedlichen Kulturkreisen. Es scheint, dass dies die Österreicher nicht ernst nehmen – da wird man beschimpft und erledigt für sie dann auch noch die unterschiedlichsten Dinge. In welcher Welt leben wir? Wenn die Österreicher ungläubig sind, dann sollen doch bitte Herr und Frau Muslime in ein Land gehen, wo sie ihresgleichen vorfinden.

Respekt für das christliche Land

Für mich zeigt das nur, wie arm die Menschen sind – arm an Bildung, arm an Respekt für die Unterstützung, die ihnen in unserem Land geboten wird. Im Land, aus dem sie gekommen sind, sind sie wohl nicht so viel wert, denn sonst müssten sie ja nicht in Länder flüchten, die christlich sind und ihnen Schutz und Hilfe geben.

Sogar fünfjährigen Kindern wird vermittelt, dass die Österreicher Ungläubige sind. Dieser Umstand kann einmal zu einem großen Problem werden.

In Gesprächen frage ich dann diese Menschen: Wer sind denn diese ungläubigen Menschen? Bürger in einem Land, das euch aufnimmt und unterstützt oder muslimische Länder die keine muslimischen Flüchtlinge aufnehmen? Unsere Diskussion ist dann ganz schnell beendet.

(Gastkommentar von Yurdagül Sener – erstmals erschienen am 6.12. 2017 in den BZN)

Externer Linkverweis: http://www.p3tv.at

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